CORONAVIRUS BREITET SICH AUS

Weitere Infektionen in Deutschland bestätigt
AKTUALISIERT AM 25.02.2020-22:03
Nach dem Anstieg der Coronavirus-Fälle in Italien melden auch Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Spanien, Österreich und die Schweiz erste Erkrankte. In Iran hat sich der stellvertretende Gesundheitsminister angesteckt.
Das neuartige Coronavirus breitet sich nicht nur in Italien, sondern auch im Rest Europas aus. In Baden-Württemberg ist erstmals ein Patient nachweislich an dem neuartigen Coronavirus erkrankt. Es handle sich um einen 25 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Göppingen, teilte das Gesundheitsministerium in Stuttgart am Dienstagabend mit. Er habe sich vermutlich während einer Italienreise in Mailand angesteckt.
Nach dem positiven Test soll der Mann noch am Abend in eine Klinik eingeliefert und dort isoliert werden. Zurzeit würden die Kontaktpersonen ermittelt und entsprechende Schutzmaßnahmen eingeleitet. Damit gibt es in Deutschland 17 bestätigte Fälle des Coronavirus. Der Mann sei nach seiner Rückkehr aus Italien an grippeähnlichen Symptomen erkrankt und habe sich daraufhin bei dem örtlichen Gesundheitsamt gemeldet, teilte das Ministerium weiter mit. Gesundheitsminister Manne Lucha mahnte zur Besonnenheit: „Baden-Württemberg hat sich schon früh auf diesen Fall eingestellt. Alle beteiligten Stellen arbeiten eng und intensiv zusammen.“ Am Abend wurde bekannt, dass auch eine Person aus dem nordrhein-westfälischen Erkelenz erkrankt ist.
In Spanien ist am Dienstag zum ersten Mal eine Covid-19-Infektion auf dem Festland nachgewiesen worden. Nach Angaben der katalanischen Gesundheitsbehörden wurde das Virus bei einer 36 Jahre alten Frau in Barcelona entdeckt, die vor wenigen Tagen zu Besuch in Norditalien war. Zuvor war auf der Kanareninsel Teneriffa der Test bei einem Arzt aus der nördlichen Lombardei positiv ausgefallen. Er war dort seit einer Woche im Urlaub. Der 69 Jahre alte Italiener wurde zusammen mit seiner später ebenfalls positiv getesteten Ehefrau in einem Krankenhaus in Santa Cruz in einer Isolierstation untergebracht. In Italien ist die Zahl der Todesopfer inzwischen auf elf geklettert, die Grenzen sollen nach Angaben des italienischen Gesundheitsministers aber weiterhin offen bleiben.
Am Dienstag bezogen zudem Polizisten vor der Hotelanlage H10 Costa Adeje Palace im Süden der Insel Stellung. In ihr hatte der 69-Jährige mit seiner Frau seinen Urlaub verbracht. In dem Vier-Sterne-Hotel sollen sich etwa tausend Gäste und Angestellte aufhalten. Der spanische Fernsehsender TVE berichtete, dass alle Personen in dem Hotel untersucht werden sollen und den Komplex vorerst nicht verlassen dürfen. Die Gäste wurden aufgefordert, in ihren Zimmern zu bleiben. Wie die Nachrichtenagentur Efe berichtete, handelt es sich um eine gesundheitliche Vorsichtsmaßnahme und keine Quarantäne. Die spanische Regierung rief zur Besonnenheit auf. Man sei auf den Ernstfall gut vorbereitet.
Suche nach Kontaktpersonen
Auch in Österreich und der Schweiz sind erstmals Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus aufgetreten. In Tirol wandten sich am Dienstag zwei 24 Jahre alte Personen mit einschlägigen Symptomen an die Leitstelle des Landes. Die beiden Italiener aus der Lombardei, die in Innsbruck leben, wurden in der dortigen Universitätsklinik isoliert und behandelt. „Es ist das Erwartbare eingetreten“, sagte eine Beamtin im Gesundheitsministerium in Wien.
Die Behörden versuchten nun, alle Kontaktpersonen zu identifizieren, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) kündigte ein „noch engmaschigeres Netz“ an Kontrollen an, Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) forderte eine Aufstellung der Kapazitäten besonders von Führungspersonal, ABC-Abwehrkräften und Transportkräften an. Ungeachtet dessen warf die rechte FPÖ der Regierung „Beschwichtigungspolitik“ vor. Der FPÖ-Politiker Herbert Kickl forderte, „illegale Einwanderer bzw. Asylbewerber ab sofort in Quarantäne zu nehmen“. Denn man wisse wenig darüber, woher sie gekommen seien.
Die Schweiz meldete einen Covid-19-Fall im Kanton Tessin, der in die italienische Lombardei hineinragt, wo mehrere Fälle aufgetreten sind. Maßnahmen wie Reisebeschränkungen wurden zunächst aber nicht ergriffen. Am Montag hatte Innenminister Alain Berset gesagt, das Land sei gut vorbereitet.
„Ich bin seit gestern Abend auch ein Coronaer“
In der Islamischen Republik Iran stieg die Zahl der gemeldeten Todesopfer am Dienstag auf 15, wie der Sprecher des Gesundheitsministeriums am Dienstag im Staatsfernsehen sagte. Ihm zufolge wurden in Iran 95 Personen – 34 mehr als am Vortag – aus verschiedenen Landesteilen positiv auf das Virus getestet. Auch die Nachbarländer Irak, Kuweit, Bahrein und die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten mehrere neue Fälle von Patienten, die zuvor in Iran waren. Der stellvertretende iranische Gesundheitsminister und Beauftragte für den Coronavirus-Ausbruch ist ebenfalls erkrankt. „Ich bin seit gestern Abend auch ein Coronaer“, sagte Iradsch Harirtschi in einer Videobotschaft im Staatsfernsehen am Dienstag.
In Südkorea stieg unterdessen die Zahl der Infizierten auf 977. Nach China hat Südkorea damit die meisten Covid-19-Patienten, noch vor Japan. Die Regierung in Seoul stellte nach widersprüchlichen Äußerungen klar, dass sie den Infektionsschwerpunkt Daegu im Südwesten des Landes nicht absperren wolle. Die japanische Regierung bat Unternehmen, zur Verringerung von Infektionsrisiken die Arbeit von Zuhause zuzulassen, Schichtdienste zu entzerren und Sitzungen online abzuhalten. Die Bürger wurden gebeten, sich nur noch mit schweren oder länger als vier Tage andauernden Erkältungssymptomen in Krankenhäuser zu begeben, um das Gesundheitssystem zu entlasten und um Ansteckungsrisiken zu minimieren.
Japan meldete am Dienstag 149 Infektionen im Inland. Mit den Patienten von dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess und Reisenden aus der chinesischen Provinz Wuhan sind es 854 Fälle. Am Dienstag starb ein mehr als 80 Jahre alter Passagier der Diamond Princess in einem japanischen Krankenhaus. Es ist der vierte Todesfall unter den Passagieren des Schiffs. Insgesamt hatten sich mehr als 690 Passagiere und Crewmitglieder mit dem Covid-19-Virus infiziert, unter ihnen auch ein deutsches Ehepaar.
China verbietet Verzehr von Wildtieren
Die Zahl der Toten und Infizierten durch das Coronavirus stieg in China abermals an. Wie die Pekinger Gesundheitskommission am Dienstag mitteilte, kamen weitere 71 Personen ums Leben. Insgesamt starben damit 2663. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen kletterte um 508 auf 77.658. Bis auf drei Todesopfer und neun Infektionen wurden sämtliche neue Fälle in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei gemeldet, wo das Virus ursprünglich in der Millionenmetropole Wuhan auf einem Tiermarkt ausgebrochen war. Stand: 25.02.2020, 18:00 Uhr
China inkl. Hongkong und Macau; Japan inkl. dem unter Quarantäne stehenden Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ / Grafik: jpg., joth. / Quellen: Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, Chinesische Gesundheitsbehörde, South China Morning Post, Reuters, Deutsches Gesundheitsamt
Chinas Volkskongress untersagte am Dienstag den Konsum von und den Handel mit dem Fleisch bestimmter Wildtiere. Der ständige Ausschuss des Volkskongresses habe sich darauf verständigt, „illegalen Wildtierhandel grundsätzlich zu verbieten und die schlechte Angewohnheit, Wildtiere zu essen, zu beseitigen, um die Gesundheit der Bevölkerung zu sichern“, berichteten Staatsmedien am Dienstag.
Hintergrund ist die Vermutung, dass das Virus an einem Marktstand von exotischen Tieren, möglicherweise einem Schuppentier, auf den Menschen übergesprungen ist. Die Parteizeitung „Global Times“ bezeichnete den Entschluss als Grundlage für ein „vollständiges Verbot“, für das ein längerfristiger Gesetzgebungsprozess notwendig ist. Unter anderem sollen laut dem ständigen Ausschuss die Strafen bei Zuwiderhandlung verschärft und rechtliche Grundlagen für striktere Kontrollen gelegt werden. Auf welche Tiere sich das Verbot erstreckt, blieb aber offen. Als entscheidend gilt auch, ob es auf die Nutzung von Wildtierprodukten in chinesischer Medizin erstreckt.
Quelle: hcr./löw./pwe./boe./Reuters/AFP/dpa
https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/spanien-schweiz-oesterreich-coronavirus-breitet-sich-aus-16651358.html