War die Wahl ein abgekartetes Spiel?

Reinhard Götz
19 Min •

Rein Hard
35 Min
War die Wahl ein abgekartetes Spiel?
Eines vorweg: Ob es direkte Absprachen zwischen der AfD und der FDP gab, ist bisher nicht bekannt und wird von den Beteiligten verneint. Dubiose Hinterzimmergespräche wie in House of Cards gab es wohl nicht. Dafür spricht vor allem das chaotische Verhalten der Parteien nach der Wahl, aber auch Aussagen der AfD, die ihren erfolgreichen Plan feiern. Trotzdem gibt es drei „Aber“.
Erstens gab es schon im November erste Versuche der AfD, mit CDU und FDP gemeinsame Sache zu machen. Der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke bot den Parteien eine neue Art der Zusammenarbeit oder eine Expertenregierung an. Hauptsache: Der Linke Bodo Ramelow ist weg. Damals haben CDU und FDP das Angebot abgelehnt. Sie wussten aber dadurch, dass die AfD eine:n Kandidat:in unterstützen könnte. Deswegen verzichtete die CDU auch auf eine:n eigenen Kandidat:in. So hat CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer es nach der Wahl nochmal betont.
Zweitens war das Szenario auch schon vor der Wahl bekannt. Nicht nur der Thüringer Journalist Martin Debes wusste Bescheid, auch der SPD-Vorsitzende Wolfgang Tiefensee fragte den FDP-Landeschef Thomas Kemmerich am Morgen des Wahltages, ob an den Gerüchten etwas dran sei.
Drittens waren Kemmerich und seine Parteikollegen auf die Möglichkeit der direkten Unterstützung durch die AfD vorbereitet. Sie haben überlegt, ob man sich aufstellen soll. Und sich dafür entschieden. FDP-Chef Christian Lindner hat grünes Licht für die Kandidatur gegeben. Währenddessen hat Annegret Kramp-Karrenbauer die FDP vor der Kandidatur gewarnt und sie gebeten, aus den bekannten Gründen eben nicht zu kandidieren. Die Thüringer CDU hat mit der Wahl von Kemmerich übrigens ausdrücklich gegen die Empfehlung der Bundespartei gehandelt.
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