Inkonsequenz

 

Die beschriftete Tafel auf dem Bild suggeriert also, dass jemand, der eine bestimmte Partei wählt, nicht willkommen ist, weil auch die Partei für Ausgrenzung steht. Gut und schön, auch ich finde die AfD schlimm. Aber irgendwas gefällt mir an der Sache nicht. Ach ja, ich weiß schon. Es sind folgende Dinge, die mir sauer aufstoßen:

Was glaubt man eigentlich mit so einer Botschaft zu erreichen? Etwa, dass jemand, der AfD wählt und das Geschriebene liest, sich plötzlich besinnt und sagt: „Verdammt, die haben recht, ich ändere mich jetzt gleich. Dann darf ich hier auch wieder Bier trinken.“ Oder wird es eher so sein, dass derjenige noch mehr Hass auf seine politischen Gegner entwickelt? Dieser Hass gebiert dann weiteren Hass von der anderen Seite und so weiter. Und ist es gut, Ausgrenzung mit Ausgrenzung zu beantworten? Wenn der Dialog versagt, sprechen irgendwann mit Sicherheit die Waffen. Möchte man das?

Apropos Waffen! Ich finde noch etwas an dieser Geschichte störend. Der Hinweis auf der Tafel entbehrt einer gewissen Kohärenz und ist in seiner Aussage einseitig, undurchdacht und inkonsequent. Inkonsequent ist der Spruch deshalb, weil er offenbar die AfD und ihre Wähler als größtes Übel sieht. Also, wer eine Partei wählt, die für Ausgrenzung steht, wird ausgegrenzt, damit er sieht, wie das ist. Ja, Strafe muss eben sein, damit man die Augen öffnet. Ich hätte da, um Kohärenz und Inkosequenz ins Spiel zu bringen, eine Idee:

Wie wäre es, wenn man gleich mehrere Tafeln aufstellen würde? Auf einer dieser Tafeln könnte vielleicht folgendes stehen:

„Wenn Sie CDU wählen, sagen Sie uns das bitte vorher, dann reichern wir ihr Bier nämlich mit Uran an, wie es mit Einverständnis dieser Partei bei Waffensystemen geschieht. Dann wissen Sie endlich mal, wie es ist, wenn die Kinder der nächsten Generationen behindert, entstellt oder tot zur Welt kommen.“

Oder wie wäre es damit:

„Wenn Sie CDU, CSU, FDP, SPD oder Grüne wählen, werden wir, während Sie genüsslich Ihr Bier trinken, hinter Ihrem Rücken ein paar Schüsse mit einem Gewehr abgeben. Wenn Sie dann vor Schreck fast am Bier ersticken, werden Sie dadurch endlich mal erfahren wie es ist, wenn Konflikte geschürt, Kriege geführt und Waffen in andere Länder geliefert werden, mit denen Menschen massakriert werden.“

Das wäre für mich konsequent. Ansonsten bleibt die Aktion das was sie in Wahrheit ist: Eine undurchdachte, oberflächliche Handlung, die in Wahrheit nur zu weiterer Distanz, zu weiterem Hass und zu einem weiteren Aufbau genau jener Kräfte führt, die man eigentlich nicht haben möchte. Deshalb wieder mal mein Appell an alle: Sachlichen Dialog führen, miteinander reden, jemanden nicht auf bestimmte Ansichten reduzieren und Gemeinsamkeiten suchen. Nur so kann eine gemeinsame, friedlichere Zukunft entstehen.

Danke!