Ideologien und ihre verhängnisvollen Irrtümer

Das sozialistische Menschenbild:

Sozialismus ist jene aus der Arbeiterbewegung entstandene Ideologie von Karl Marx und späteren Denkern, die eine neue, klassenlose, gerechte Gesellschaft unter Führung der (bisherigen) Arbeiterschaft anstrebt. Die folgenden Thesen zum Menschenbild beziehen sich im Wesentlichen auf Selbstdarstellungen des Sozialismus in solchen Gesellschaften, wo er bereits real existiert hat.

– Die Würde des Menschen als geschichtliches Wesen ist den Zielen der Gesellschaft untergeordnet. Seine Freiheit muss vor allem dort eingeschränkt werden, wo er den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft behindert. Selbst die Liquidierung (d.h. Tötung) von Menschen ist ethisch geboten, wenn sie diesem höchsten Ziel der Menschheit dient.

– Alle Begabungsunterschiede sind ausschliesslich milieubedingt. Von Natur aus sind die Menschen gleich.

– Der Mensch ist weder gut noch böse, sondern empfänglich für die Prägung durch die Gesellschaft. Erst die sozialistische Gesellschaft kann ihn so optimal fördern, dass er sein bisher unterdrücktes Potential zu ungeahnten Höhen entfaltet.

– Die Missstände in der Welt beruhen auf bösen, kapitalistischen gesellschaftlichen Strukturen. Fortschritt zum Guten tritt daher als Folge neuer, sozialistischer Strukturen ein, und diese gilt es einzuführen.

– Das Ziel der Pädagogik ist der sozialistische Mensch, dessen Bewusstsein und Verhalten in allen Lebensbereichen im Einklang mit dem Bewusstsein und den Zielen der Arbeiterklasse steht.

– Es gibt keinen Gott, kein höheres Wesen. Atheismus lässt sich sogar „wissenschaftlich“ begründen. Die Erlösung des Menschen ist kein individuelles Ereignis, sondern ein Vorgang kollektiver Selbstbefreiung.

– Religion ist Opium für das Volk. Sie steht im Widerspruch zum sozialistischen Selbstverständnis der Gesellschaft. Dennoch lassen sich ihre Institutionen vorübergehend als Mittel zur sozialistischen Bewusstseinsbildung verwenden, bevor die Religion in der neuen Gesellschaft endgültig abstirbt.

– Da der Sozialismus die absolute Wahrheit ist und als einzige Ideologie den Schlüssel zum Verständnis der Geschichte besitzt, muss die sozialistische Gesellschaft „intolerant“ und „parteilich“ gegenüber denen sein, die entgegengesetzte Auffassungen öffentlich vertreten. Toleranz ist dort möglich, wo die Meinungsäusserung eines Gegners keinen bewusst- seinsbildenden Einfluss auf Dritte ausübt.

– Eigentum an Produkionsmitteln dient der Ausbeutung der Arbeiterschaft. Es muss daher abgeschafft bzw. in seinen Rechten stark eingeschränkt werden. Soziale Ungleichheiten sind durch Umverteilung soweit wie wirtschaftlich möglich zu verringern.

– Die Zukunft der Menschheit wird sozialistisch sein. Die Demokratie verdient diese Bezeichnung erst dann wirklich, wenn sie sich im Sozialismus vollendet. Nur so wird das „Reich der Freiheit“ kommen.