Bargeld hat es heutzutage wahrlich nicht leicht

Kürzlich wurde es gar als Klimasünder gebrandmarkt. So kam die Niederländische Zentralbank in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Barzahlungen 21 Prozent mehr CO2-Ausstoß verursachen als Transaktionen mit EC- und Kreditkarten. Die negative Umweltbilanz des Bargelds sei vor allem auf die Produktion von Münzen und den Betrieb von Geldautomaten zurückzuführen. Wenn man die Bankomaten um 25 Prozent reduziere, stoße man acht Prozent weniger CO2 aus, heißt es in dem 30-seitigen Papier.

Möglicherweise bedarf es jedoch schon in wenigen Jahren gar keiner Geldautomaten mehr. Die Anzeichen mehren sich, dass in den 2020er-Jahren das Szenario Wirklichkeit wird. Das hat gute Gründe. Institutionen wie die Europäische Zentralbank (EZB) oder der Internationale Währungsfonds (IWF) stellen mittlerweile unverhohlen die Weichen für eine Welt ohne Scheine und Münzen.

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43 Min ·
Und es gibt immer noch Menschen, die wirklich glauben, dass Bargelabschaffung nur wieder eine Verschwörungstheorie ist. Na denn hoffentlich wird es dann nicht zu spät sein, wenn sie erkennen, dass es von den Finanzeliten gewollt ist und auf jeden Fall durchgesetzt wird. Deswegen jetzt rechtzeitig auf Gold umsteigen: http://www.now-on.de
Pläne der NotenbankenWenn Kreuzzug gegen das Bargeld Erfolg hat, ist niemand mehr sicher vor Minuszinsen
IWF und Notenbanken wie die EZB nehmen das Bargeld ins Visier. Was hinter den Plänen steckt – und warum Ökonomen bereits weitere Einschränkungen wittern.
Bargeld hat es heutzutage wahrlich nicht leicht. Kürzlich wurde es gar als Klimasünder gebrandmarkt. So kam die Niederländische Zentralbank in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Barzahlungen 21 Prozent mehr CO2-Ausstoß verursachen als Transaktionen mit EC- und Kreditkarten. Die negative Umweltbilanz des Bargelds sei vor allem auf die Produktion von Münzen und den Betrieb von Geldautomaten zurückzuführen. Wenn man die Bankomaten um 25 Prozent reduziere, stoße man acht Prozent weniger CO2 aus, heißt es in dem 30-seitigen Papier.

Möglicherweise bedarf es jedoch schon in wenigen Jahren gar keiner Geldautomaten mehr. Die Anzeichen mehren sich, dass in den 2020er-Jahren das Szenario Wirklichkeit wird. Das hat gute Gründe. Institutionen wie die Europäische Zentralbank (EZB) oder der Internationale Währungsfonds (IWF) stellen mittlerweile unverhohlen die Weichen für eine Welt ohne Scheine und Münzen.

Kreuzzug gegen Bares
So hatten die Währungshüter in der EZB bereits 2016 beschlossen, den 500-Euro-Schein aus dem Verkehr zu ziehen. Und tatsächlich: Seit April dieses Jahres werden keine neuen 500-Euro-Banknoten mehr produziert und ausgegeben. Offiziell, um Kriminalität, Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit zu erschweren. Allerdings legte ein Blogbeitrag des IWF dieses Jahr offen, worum es beim Kreuzzug gegen das Bargeld in Wirklichkeit geht: um das Tor in eine Welt von Minuszinsen aufzustoßen.

„In einer bargeldlosen Welt gäbe es keine Untergrenze mehr für den Zins. Eine Zentralbank könnte den Leitzins von beispielsweise zwei Prozent auf minus vier Prozent senken, um einer schweren Rezession entgegenzuwirken“, schreiben die Ökonomen des IWF. „Ohne Bargeld müssten die Menschen den negativen Zinssatz zahlen, um ihr Geld von der Bank verwahren zu lassen.“

Das Kalkül: Wird das Bargeld abgeschafft, ist Sparern der einzige Fluchtweg vor den Minuszinsen verbaut. Einfach das Bankkonto leer räumen und alles unters Kopfkissen, ins Schließfach oder den hauseigenen Tresor packen funktioniert nicht mehr. Entweder muss man tatenlos zuschauen, wie sich die Ersparnisse auf der Bank Jahr für Jahr in Luft auflösen, oder man verprasst seine Rücklagen auf Teufel komm raus. So entstünde aus dem Nichts ein riesiges Konjunkturprogramm. Nicht vom Staat bezahlt, sondern direkt von den Bürgern.
Repression durch die Hintertür
In einem Land wie Deutschland, in dem sich das Bargeld größter Beliebtheit erfreut, ist ein Verbot von Scheinen und Münzen ohne Widerstände jedoch kaum denkbar. Laut einer Umfrage von Bitkom Research sprechen sich drei von vier Deutschen gegen die Abschaffung des Bargelds aus. Kein Wunder angesichts von 4,8 Billionen Euro, die aktuell auf deutschen Konten schlummern. Die Einführung von Negativzinsen, gekoppelt mit einem Verbot, Barreserven zu halten, würde die Menschen hierzulande besonders hart treffen. Der Aufschrei der Empörung wäre gewaltig.

Deswegen haben sich die IWF-Experten etwas anderes einfallen lassen. Statt ein gesetzliches Verbot auszusprechen, wollen sie Bargeld wie eine eigene Währung behandeln. Es gäbe einen Währungskurs für elektronisches Geld – also alle Guthaben und Verbindlichkeiten bei der Bank – und einen Kurs für Bargeld. Zwischen der Währung „E-Geld“ und der Währung „Cash“ wird dann ein Umtauschkurs eingeführt. Diesen Kurs kann die jeweilige Zentralbank variabel verändern. Wollten die Notenbanker Negativzinsen erheben, zum Beispiel in Höhe von minus fünf Prozent, werteten sie die Cash-Währung eben um jene fünf Prozent gegenüber der Währung „E-Geld“ ab. Die Finanzrepression durch die Hintertür wäre perfekt.
Entwertung von Vermögen
Die Folge wäre eine Zweiklassengesellschaft. Bargeld und elektronisches Geld hätten nicht mehr denselben Wert. Das wiederum funktioniert nur, wenn auch die Händler mitziehen und einen Preis für Barzahler und einen zweiten für Kartenzahler verlangen. In den Supermärkten würden an den Regalen für jedes Produkt also zwei Preise prangen. Der IWF hält das für umsetzbar. Schließlich würden viele Geschäfte in kleineren Ländern ihre Waren sowohl in der Heimatwährung als auch in Dollar auszeichnen.
Vor allem die Politik dürfte sich darüber freuen. Laut dem Ökonomen Daniel Stelter verfolgen Finanzminister und Zentralbanker unter dem Deckmäntelchen des Kampfes gegen Terror, Kriminalität und trübe Konjunkturaussichten noch ein weiteres Ziel. „Im Kern geht es um die Entwertung von Schulden“, sagt Stelter.

Ende 2018 summierten sich die Schuldenstände von Staaten, Firmen und Privathaushalten rund um den Globus auf gewaltige 182 Billionen Dollar – der höchste Wert aller Zeiten. Insbesondere viele Staaten haben sich kräftig verschuldet, um während der Finanzkrise Rettungspakete für Banken und milliardenschwere Konjunkturprogramme zu schnüren.

Die Hoffnung, die Schulden später durch höheres Wachstum, gepaart mit Inflation und Sparmaßnahmen, abzubauen, entpuppte sich jedoch als Illusion. „Nun müssen Negativzinsen das System am Laufen halten, um einen Schuldenkollaps zu vermeiden“, sagt Stelter. Das Problem ist nur: Wer Schulden entwertet, entwertet spiegelbildlich auch Vermögen. Ohne die Einschränkung der Bargeldnutzung sei dies nicht möglich, sagt der ehemalige Unternehmensberater.

Spaltung der Wirtschaft vorprogrammiert
Die langfristigen Folgen allerdings – da sind sich viele Wirtschaftswissenschaftler einig – wären verheerend. Rahim Taghizadegan, Co-Autor des Buches „Die Nullzinsfalle“, ist überzeugt: „Dieses Rezept aus der Mottenkiste des Absolutismus führt zu einer Spaltung der Wirtschaft in eine weiße mit offiziellen Wechselkursen und eine schwarze mit inoffiziellen Wechselkursen.“ Da der per Zwang durchgesetzte Tauschkurs schlechter wäre als derjenige, der sich im freien Markt einstellen würde, entstünde eine Schattenwirtschaft, in der das Bargeld sogar an Kaufkraft gegenüber dem Buchgeld gewönne, so der Ökonom.

Auch Gold und Kryptowährungen abschaffen
Zudem würden viele Bürger in Alternativen wie Gold oder Kryptowährungen flüchten, um der Abwertung ihrer Cash-Reserven zu entgehen. Der IWF-Vorschlag sei daher nicht nur kontraproduktiv für die Wirtschaft, sondern auch unwirksam: „Um Minuszinsen durchzusetzen, reicht die Abwertung des Bargelds nicht aus“, sagt Taghizadegan. „Wahrscheinlich müsste es doch abgeschafft oder verboten werden, ebenso wie Gold und Kryptowährungen.“ Gut möglich also, dass am Ende doch ein vollständig elektronisches Geldsystem steht.
Für viele Bürger eine äußerst unbehagliche Vorstellung. „Wen die Bargeldabschaffung an George Orwells Big-Brother-Dystopie erinnert, der ist keinesfalls hysterisch“, sagt Thorsten Polleit, Chefvolkswirt der Degussa. In einer bargeldlosen Welt verlieren die Bürger den Schutz vor den neugierigen Blicken der Behörden. Jede Zahlung, jede noch so kleine Transaktion hinterließe elektronische Spuren – egal, ob im Online-Banking, mit der Kreditkarte oder der Bezahl-App. Kein Geldgeschenk, kein Trinkgeld, kein Arzneikauf bliebe mehr verborgen. Ohne Bargeld wird die Privatheit des Einzelnen obsolet, der gläserne Bürger wird Realität.
Im schlimmsten Fall droht die totale Überwachung. Für Fondsmanager Dirk Müller ein realistisches Szenario. „Wer weiß schon, wie die politische Landschaft in 20 oder 30 Jahren aussieht?“, warnt Müller. In einer Welt mit rein elektronischem Geld sei die Gefahr groß, dass totalitäre Regierungen den Bürger gängeln und kontrollieren. „Dagegen könnte sich auch niemand mehr wehren, denn für die Regierung wäre es ein Leichtes, sämtliche Konten zu sperren, um unliebsame Kritiker mundtot zu machen. Klick – und man ist raus aus dem Spiel.“

Verfassungskonform?
Bis zu diesem Worst-Case-Szenario ist es allerdings noch ein weiter Weg. Es ist fraglich, ob die Abschaffung des Bargelds überhaupt im Einklang mit dem Grundgesetz stünde. Dies müsste ein Gang zum Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe klären. Gut möglich, dass der Zwang, alle Zahlungen elektronisch abzuwickeln und damit persönliche Daten freizugeben, im Widerspruch zum Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung steht. Dieses fußt auf Artikel zwei des Grundgesetzes – dem Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit.

Surftipp: Rezessionsängste und Niedrigzins – Euro fällt auf tiefsten Stand seit 29 Monaten – und die Talfahrt geht noch weiter
https://www.focus.de/finanzen/boerse/bargeldverbot-eiszeit-fuer-cash-die-plaene-der-notenbanken_id_11238977.html?fbc=fb-shares&fbclid=IwAR1KMO_btEDXL_I6jGV1QqOHajNuoF_MF_GQvwOSuvDuE7_EGjg-n4IOCOU