Worüber wundern sich die Himmelskomiker denn ……

Kirchen laufen Mitglieder davon
Die evangelische und die katholische Kirche haben Hunderttausende Mitglieder verloren. Die Zahl der Austritte stieg im Jahr 2018 erheblich. Die Gründe sind vielfältig.

Die Zahl der Austritte aus der katholischen und aus der evangelischen Kirche in Deutschland ist 2018 deutlich gestiegen. 216.078 Katholiken verließen im vergangenen Jahr ihre Kirche, wie die Deutsche Bischofskonferenz mitteilte. Das sind rund 29 Prozent mehr als im Vorjahr und etwa 0,9 Prozent aller Katholiken im Land.

Der Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, sprach angesichts der zweithöchsten Zahl seit der Wiedervereinigung von einer „besorgniserregenden“ Statistik. Noch mehr Mitglieder verlor die evangelische Kirche – 220.000 traten aus, gab die Evangelische Kirche in Deutschland bekannt.

Die Zahl der Trauungen in der katholischen Kirche nahm leicht zu – von 42.523 auf 42.789. In der evangelischen Kirche gab es im Jahr 2017 42.987 Trauungen.
Kirchensteuer und Glaubwürdigkeitskrise
Zu den Austrittsmotiven gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Studien und Umfragen, in denen als wesentlicher Grund eine Entfremdung von der Kirche festgestellt wurde. Der Kirchenrechtsexperte Thomas Schüller betont: „Kirchenaustritte sind kein Naturphänomen, sondern Ausdruck einer Entfremdung der Gläubigen von der Kirche und einer Glaubwürdigkeitskrise der Kirche selbst.“ Entscheidend sei zudem das Erscheinungsbild der Kirche. Besonders die Sexualmoral werde als nicht mehr zeitgemäß empfunden, aber auch das Frauenbild der Kirche und ihre Haltung zu Homosexualität, wiederverheirateten Geschiedenen und dem Zölibat.

Laut einer Studie des katholischen Bistums Essen sind weitere Motive die Kirchensteuer, eine fehlende Bindung zur Kirche, eine rückständige Haltung der Kirche, Glaubenszweifel, ein persönlich enttäuschendes Erlebnis und Skandale.

Der Kriminologe Christian Pfeiffer, selbst evangelischer Christ, regte eine Diskussion über die Notwendigkeit von Kirchensteuern an. So seien die Kirchen in den USA – wo es keine Kirchensteuer gebe – viel lebendiger, sagte Pfeiffer der Deutschen Presse-Agentur. „Ein Grund dafür ist mit Sicherheit, dass sie es sich dort nicht auf dem Ruhekissen der Kirchensteuer bequem machen können.“
Manch ein Berufsanfänger realisiere erst mit der Gehaltsabrechnung, dass und wie viele Steuern an die Kirche gehen, sagt auch Diplom-Theologe Hans-Peter Ostermair. Wer dann ohnehin kaum noch Bindung zu Kirche oder der örtlichen Gemeinde habe, sage schnell Adieu, meint Ostermair.

Schüller sagte zu der schon länger schwelenden Debatte, die Kirchensteuer sei meist nur der letzte Baustein einer Entfremdung von der Kirche. „Zudem treten sehr viele Katholiken aus, die gar keine oder nur eine vergleichsweise geringe Kirchensteuer zahlen“, sagte der Professor für katholisches Kirchenrecht.
Mehr Sterbefälle als Geburten
Darüber hinaus haben die Kirchen aber auch ein demografisches Problem: Die Zahl der Beerdigungen liegt bei beiden weit höher als die Zahl der Taufen, Eintritte und Wiedereintritte. Insgesamt verlor die katholische Kirche 2018 rund 309.000 Mitglieder und hat noch 23,002 Millionen, die Mitgliederzahl der evangelischen Kirchen ging um 395.000 auf 21,141 Millionen zurück.

Damit nähert sich der Anteil der Mitglieder beider Kirchen an der Gesamtbevölkerung immer mehr der 50-Prozent-Marke: Mit 44,14 Millionen gehören noch 53,2 Prozent der Bundesbürger einer der beiden Kirchen an. 2017 waren es 54,2 Prozent. Bis 2060 könnte sich die Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland der Prognose zufolge halbieren.

Steuereinnahmen steigen trotzdem
Allerdings hat diese Entwicklung sich bislang nicht finanziell ausgewirkt. Im Vergleich zu 2007 ist das Kirchensteueraufkommen sogar gestiegen. 2007 erhielt die EKD Kirchensteuern in Höhe von etwa 4,2 Milliarden Euro. 2018 waren es etwa 5,79 Milliarden Euro. Die Deutsche Bischofskonferenz, der Zusammenschluss aus 27 katholischen Bistümern in Deutschland, erhielt 2007 rund 4,7 Milliarden Euro Kirchensteuer, 2017 waren es 6,4 Milliarden Euro.
In der Statistik für das Jahr 2018 macht die DBK anders als die EKD keine Angaben zur Höhe der Kirchensteuer. Seit 2010 sind die Einnahmen aus der Kirchensteuer bei beiden Kirchen kontinuierlich gestiegen. Der Grund dafür liegt laut dem Forschungszentrum Generationenverträge (FZG) der Freiburger Universität zum einen in der guten Wirtschaftskonjunktur. Zum anderen befinde sich die Generation der „Babyboomer“ derzeit lebensbiografisch in der Phase der höchsten Steuerzahlungen.

Absehbar ist jedoch laut den Wissenschaftlern, dass diese Gruppe ab 2035 verrentet sein wird und der finanzielle Ausfall nicht ausreichend durch die nachfolgenden Generationen ausgeglichen wird. Bis 2060 erwarten die Wissenschaftler, dass sich die Finanzkraft der Kirchensteuereinnahmen in etwa halbieren wird.
https://www.tagesschau.de/inland/kirchenaustritte-113.html?fbclid=IwAR0FyZhxT5E1LmTWiyPwEICOjnG-MCAwGznDqHmia5FVU6umASH-W-MhIao