Rainer Mausfeld über das Wesen (die gemeinsame Grundlage) von Anarchismus und Demokratie.

Zitate (Sinngemäß):
Anarchismus ist eine Haltung.
Anarchismus hinterfragt Macht die mit Gewalt einhergeht, wo auch immer sie auftaucht und sucht Wege sie auf „nicht gewalttätige Weise“ zu beseitigten.
Anarchismus ist eine Art Herrschaftslosigkeit, kein Mensch hat über andere Menschen Macht.

Menschen müssen sich aber eine von Unten legitimierter Form des Zusammenlebens geben. Z.B. eine Rätesystem. Die daraus entstehenden Funktion-Hierarchien sind notwendig, aber die Funktionäre müssen jederzeit Rechenschaft ablegen.

Die Haltung des Demokraten ist: „Ich bin bereit mich dem Regelwerk von Gesetzten zu unterwerfen, wenn ich dabei die Möglichkeit hatte, mich angemessen zu beteiligen.“

Demokratie wird in der Praxis aber gerne benutzt, um Gewalt unsichtbar zu machen. Deshalb ist Gewaltenteilung in jeder Demokratie das wesentliche Element, um deren Qualität zu bestimmen.

Demokratie setzt voraus, dass es einen öffentlichen Raum gibt, in dem Demokraten miteinander ins Gespräch kommen können. Darüber hinaus ist es erforderlich, dass die Demokraten ihre Interessen objektiv und verständlich artikulieren, damit eine gemeinsame Gesprächsbasis vorhanden ist, die es erlaubt einen optimalen Interessenausgleich zu erreichen.

Probleme, die nicht einvernehmlich gelöst werden können, müssen per Wahl entschieden werden. (was ohne Minderheitenschutz zur Diktatur der Mehrheit pervertieren kann)
Das Wesen der Demokratie sind eigentlich Partizipation und Austausch und nicht (allein) die freie und geheime Wahl der Repräsentanten. Demokratie wollte das Recht des Stärkeren abschaffen. Demokratie beruht darauf jeden als freien und gleichen (gleichwertig) Menschen anzuerkennen.

Die Gewaltenteilung ist in der Praxis durch die Machtstrukturen in den Parteien (sie sind in der Regel hierarchisch und Autoritär) auch in Deutschland ausgehebelt. Das Parlament (Bundestag) repräsentiert nicht mehr das Volk, sondern wird als Anhang und Abnick-Bude der Regierung wahrgenommen.

Darüberhinaus gibt es auch noch mehrere Bereiche, die sich der demokratischen Kontrolle weitergehen entziehen.
z.B. Teile der Wirtschaft und die Nachrichtendienste.

Neoliberale waren immer auch radikale Antidemokraten.

Wenn die Wirtschaft nicht demokratisch organisiert ist, dann ist das ein so großer Mangel, so dass man nicht mehr von einer funktionierenden Demokratie sprechen kann.

Wirtschaft muss Teil einer Demokratie sein, sonst wird sie die Demokratie zerstören. Wenn die Wirtschaft ihr Eigenleben führt, dann wird wieder das Recht des Stärkeren eingeführt und damit ein weiteres Grundelement der Demokratie zerstört.

Demokratie ist darauf angewiesen das Macht sichtbar ist. Teile der Wirtschaft achten aber sehr darauf unsichtbar zu bleiben.


Es gibt ja keinen Fraktionszwang, da er verboten ist. Daher herrscht ein Fraktionsdisziplin. 😉 Damit Kanzlerin oder Kanzler auch durch regieren kann.

Ja wie immer klaffen Theorie und Praxis weit auseinander. Wer in einer Partei weiterkommen will, der benötigt in der Regel eine gewisse Förderung innerhalb der parteiinternen Klicken (Strömungen, Flügel, Gruppen) Diese wirken ähnlich wie Logen. Wer es bis in ein Parlament geschafft hat, der ist anderen Parteigenossen verpflichtet oder ist sogar erpressbar geworden.
Das ist in alle Länder und in allen Staatsformen so.
Deshalb kann ich nur vor jeder Ideologie warnen, die von einem unrealistischen Menschenbild ausgeht, sie werden alle bei der Umsetzung an der Natur des Menschen scheitern.