Opel beantragt monatelange Kurzarbeit am Stammsitz

Lohneinbußen für die Mitarbeiter
Der Autobauer Opel streicht in seinem Stammwerk Rüsselsheim für sechs Monate die Spätschicht. In Absprache mit dem Betriebsrat hat das Unternehmen bei der Arbeitsagentur Kurzarbeit für die meisten der rund 2600 Beschäftigten des Produktionswerks angezeigt, wie ein Opel-Sprecher am Dienstag erklärte.

Die Arbeitnehmer erhalten für die nicht geleistete Arbeitszeit Kurzarbeitergeld als Lohnersatzleistung sowie einen Zuschlag von Opel. Das Entwicklungszentrum und weitere zentrale Einheiten des Autobauers sind nicht betroffen. Die Mitarbeiter in der Rüsselsheimer Produktion bei Opel sollen noch in diesem Monat mit Kurzarbeit beginnen.

„Die Kurzarbeit soll in diesem Monat beginnen und sechs Monate andauern. Dieser Schritt dient dazu, eine sozialverträgliche Brückenlösung zu schaffen“, sagte ein Opel-Sprecher. Mit den Investitionen in den Bau des nächsten Opel Astra ab 2021 sei die Zukunft des Werkes aber langfristig gesichert.
Opel-Werk ist nicht ausgelastet
In dem Autowerk fehlt derzeit die Arbeit. So ist im Sommer die Produktion des Familienwagens Zafira ausgelaufen, und der Absatz des Mittelklasslers Insignia lahmt. Erst im Jahr 2021 kommt mit dem Kompaktwagen Astra ein zweites Modell ins Stammwerk und soll dieses den Plänen zufolge nachhaltig sichern.
Nach internen Prognosen könnten im kommenden Jahr nur noch 42.000 Autos gebaut werden – das wäre ein Drittel des Volumens von 2018, als 123.000 Fahrzeuge vom Band liefen. Theoretisch sind bei Volllast sogar rund 180.000 Wagen möglich. Opel äußert sich nicht zu geplanten Produktionszahlen. Die Volumina seien abhängig von der Nachfrage am Markt. Man passe die Produktion laufend an, um die Leistung und Effizienz der Standorte zu sichern.

Derzeit wird der noch beim Alt-Eigentümer General Motors entwickelte Astra im polnischen Gliwice (Gleiwitz) und im englischen Ellesmere Port gefertigt. Das Nachfolgemodell inklusive einer elektrischen Variante soll auf einer PSA-Plattform entstehen, um Kosten zu verringern.

Stellen bei Opel fallen weg
PSA hatte bei der Übernahme der IG Metall tariflich zugesichert, alle deutschen Standorte zu erhalten und bei den rund 19.000 Beschäftigten bis zum 30. Juni 2023 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Stattdessen starteten die Franzosen ein üppig dotiertes Abfindungsprogramm, das zunächst auf 3700 Leute beschränkt bleiben sollte und dann aber noch mehrmals wieder geöffnet wurde, zuletzt für die Produktionsfabriken in Eisenach, Kaiserslautern und Rüsselsheim. Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen schätzt, dass auf der Grundlage von PSA-Rentabilitätsvorgaben das Unternehmen bis 2023 europaweit noch mehr als 5000 weitere Jobs abbauen müsse.
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