Der Frauenhass ist gar nicht eingewandert

Angeblich weigern sich linke Feministinnen, die Frauenfeindlichkeit geflüchteter muslimischer Männer zum Thema zu machen. Tatsächlich sind aber nicht die Flüchtlinge das Problem, sondern Frauenfeinde jeder Herkunft und Religion.

© Rosanna Graf Eine Kolumne von Margarete Stokowski
Wissen Sie noch, damals, als Deutschland ein feministisches Paradies war, wo Frauen und Männer einander ausnahmslos verstanden, liebten und ehrten, wo sie gleich viel verdienten und nie eine Frau ermordet wurde, weil sie einen Mann abgewiesen hatte? Damals, bevor die vielen jungen muslimischen Männer kamen? Nein, weiß ich auch nicht mehr.
Es müsste allerdings ungefähr so ausgesehen haben, wenn all diejenigen Recht haben sollten, die davon sprechen, dass linke Feministinnen sich heute in Deutschland irgendwie immer auf die falschen Fragen stürzen: dass sie ungleiche Bezahlung, schlechte Bedingungen für Schwangere, Gewalt gegen Frauen, sexistische Medien und frauenfeindliche Werbung kritisieren, statt sich um das angeblich eigentliche Problem zu kümmern, nämlich die Weltanschauungen geflüchteter Männer.

Letzte Woche hatte ich eine Lesung in Gießen, zu der ein enttäuschter Lokalreporter des „Gießener Anzeigers“ hinterher schrieb: „Warum ausgerechnet diejenigen, die – zurecht – die letzten Verteidigungslinien des hiesigen Patriarchats attackieren, so nachsichtig mit eingewanderten frauenfeindlichen Wertesystemen sind, das hat Margarete Stokowski an diesem Abend leider nicht verraten.“

Ich kann gern verraten, was da los ist. Bisschen tricky, weil man natürlich erst mal nicht exakt weiß, welche „eingewanderten frauenfeindlichen Wertesysteme“ gemeint sind, wenn diejenigen nicht genannt werden, die diese Systeme vertreten. Aber vielleicht kommt man der Sache auf die Schliche, wenn man sich anschaut, dass der Autor des Lesungsberichts jemand ist, der auch kein Problem damit hat, ein Podium mit Götz Kubitschek zu moderieren.
Jede linke Feministin kennt diesen Vorwurf, sie würde sich nicht hinreichend um die Probleme kümmern, die durch geflüchtete Männer verursacht werden. Wann immer einer dieser Männer gewalttätig gegen Frauen wird, schreiben mir Leute, die fragen, warum ich über diesen bestimmten Fall nicht längst geschrieben habe und ob ich ihn unter den Teppich kehren will.

Im Eifer des Gefechts vergessen sie, dass in Deutschland jeden zweiten bis dritten Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet wird. Es gibt ein massives Problem mit Gewalt gegen Frauen in Deutschland, aber die meisten dieser Fälle werden nur dann öffentlich diskutiert, wenn der Täter einen Migrationshintergrund hatte und damit gutes Propagandamaterial für Rassisten und Rassistinnen darstellt.
Wenn Sie bisher nicht mitbekommen haben,wie viele Frauen in Österreich seit Jahresbeginn ermordet wurden, dann könnte es daran liegen, dass es immer noch als „Familiendrama“ oder „Beziehungsdrama“ gilt, wenn ein weißer Mann seine (Ex-)Partnerin oder Schwester tötet.
https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/frauenhass-ist-gar-nicht-eingewandert-kolumne-a-1254034.html