Schüsse an der Kantstrasse

Erste Spur führt ins Clan Milieu
Charlottenburg-Wilmersdorf
Bei einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen fielen Schüsse. Zwei 25 Jahre alte Männer wurden schwer verletzt und notoperiert.
Berlin. An der Kantstraße in Charlottenburg sind am Sonnabendmorgen mehrere Schüsse gefallen. Mindestens eine Person zog eine Waffe. Das bestätigte die Polizei der Berliner Morgenpost. Die Schüsse ereigneten sich gegen 5.40 Uhr zwischen Wieland- und Leibnizstraße auf Höhe der Hausnummer Kantstraße 36. Zwei Männer, beide im Alter von 25 Jahren, wurden schwer verletzt. Sie seien notärztlich erstversorgt und in Krankenhäuser gebracht worden, hieß es von der Polizei. Anschließend wurden sie operiert. Die Männer schweben laut Polizei nicht in Lebensgefahr.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost aus Polizeikreisen kam es vor der Tat zu einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Männern im „New West Club“. Bei den beiden Opfern soll es sich um einen Araber und ein Clan-Mitglied handeln.
Die Verletzten flüchten sich zunächst vor das spanische Restaurant „El Borriquito“ an der Wielandstraße. Dort war am Vormittag trotz des zwischenzeitlichen Regens noch eine große Blutlache sichtbar. Die fünfte Mordkommission ermittelt die Hintergründe der Schüsse. Direkt vor dem Club sicherte die Polizei Spuren, Kriminaltechniker sammelten unter anderem Zigarettenkippen ein, um mögliche DNA-Spuren der Täter zu sichern.

Schüsse in Berlin-Charlottenburg: Polizei mit großem Aufgebot im Einsatz
Die Polizei war auch am Vormittag noch mit großem Aufgebot im Einsatz. Die Kantstraße blieb zwischen Wielandstraße in Fahrtrichtung Westen gesperrt. Ein Polizeifahrzeug stand quer auf der Kantstraße. Erst gegen 13.30 Uhr wurden die Maßnahmen beendet, die Straße für den Verkehr wieder freigegeben.
Am Tatort zwischen Wielandstraße und Leibnizstraße wurden rot-weiße Pylonen auf die Fahrbahn gestellt. Sie markierten nach Informationen der Berliner Morgenpost die Stellen, an denen Projektile gefunden wurden. Auch der Fußweg wurde zwischenzeitlich gesperrt.
Zudem wurden der begrünte Mittelstreifen der Kantstraße und der Bürgersteig nach möglichen Spuren des Verbrechens abgesucht. Nach Informationen der Berliner Morgenpost waren zwei Rettungswagen der Feuerwehr und ein Notarztwagen im Einsatz. Einer der verletzten Männer wurde ins Virchow-Klinikum, der andere ins Westend-Krankenhaus gebracht. Bei einem der Männer fuhr der Notarzt direkt im Rettungswagen mit ins Krankenhaus. Auch die Feuerwehr sprach von einer Alarmierung wegen „zweier Männer mit Schussverletzungen“.
„Solche Vorgänge sind ernstzunehmen“, sagte Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) am Sonnabendmittag der Berliner Morgenpost. „Die Bevölkerung beunruhigt so etwas.“ Er sei im engen Kontakt mit der Polizei. Die Bekämpfung der Kriminalität sei nicht nur Aufgabe des Senats. „Wir versuchen mit Schwerpunkteinsätzen, die Strukturen der organisierten Kriminalität aufzubrechen“, so Naumann.

Das Zusammenspiel der Polizei mit dem Bezirk sei wichtig, vor allem ein gemeinsames Vorgehen etwa mit dem Ordnungsamt und dem Gewerbeaufsichtsamt. „Meine Botschaft: Das wird nicht achselzuckend hingenommen.“

Der „New West Club“ ist immer wieder Schauplatz von Auseinandersetzungen. So ereignete sich nach Informationen der Berliner Morgenpost vor einiger Zeit ein ähnlich blutiger Fall. Damals kam es zu einer Messerstecherei vor dem Club. Ein Mann flüchtete sich verletzt ebenfalls vor das Restaurant „El Borriquito“.
2014: Messer gezogen, Mann mit VW Golf offenbar absichtlich überfahren
Ein besonders spektakulärer Fall ereignete sich im Juli 2014. Damals kam es, ebenfalls am frühen Sonnabendmorgen, zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen. Gegen 5.15 Uhr gingen mehrere Männer aufeinander los, auch ein Messer wurde gezückt.

Vier mutmaßliche Täter sollen dann in Richtung Leibnizstraße zu einem geparkten Auto gegangen sein. Zwei der zuvor Bedrohten seien ihnen gefolgt. Einer der Verfolger wurde dann – offenbar mit Absicht – von einem VW angefahren. Durch die Wucht des Aufpralls wurde der damals 29-Jährige auf die Gegenfahrbahn geschleudert.

Schüsse auch in der Invalidenstraße in Mitte – Mutmaßlicher Schütze festgenommen
Weitere Schüsse fielen am Freitagabend in einer Wohnung an der Invalidenstraße in Mitte. Wie die Polizei mitteilte, hatten Zeugen gegen 21.15 Uhr die Schüsse gehört und die Beamten alarmiert. Der 39 Jahre alte Mieter einer Wohnung, in deren Umfeld die Schüsse gefallen sein sollen, wurde vernommen und vorläufig festgenommen.

Eine verletzte Person fanden die Ermittler allerdings zunächst nicht. Später wurde ein 21-Jähriger mit Schussverletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er operiert werden musste. Lebensgefahr besteht laut Polizei nicht. Eine Mordkommission ermittelt.
https://www.morgenpost.de/bezirke/charlottenburg-wilmersdorf/article227223007/Schuesse-an-Berliner-Kantstrasse-Spur-fuehrt-ins-Clan-Milieu.html?utm_medium=Social&utm_source=Facebook&fbclid=IwAR0rpA0PltnQclvwwDE10WzubWo9FPzuyfWnYBo2Ssnbiterv7ZhWk8yjSc#Echobox=1569660132