Ford streicht 12.000 Stellen und macht sechs Werke dicht

Der kriselnde Autobauer Ford setzt nun auch in Europa zum Kahlschlag an. Der Konzern will bis Ende 2020 insgesamt 12.000 Stellen streichen und sechs Fabriken schließen. Im deutschen Werk in Saarlouis sollen Schichten gestrichen werden. Experten gehen gar davon aus, dass sich der Konzern ganz aus Europa zurückziehen könnte.

Das teilte Ford am Donnerstag mit. Von den geschlossenen sechs Werken befinden sich drei in Russland, außerdem sollen Fabriken in Frankreich und Wales geschlossen werden. Ein Werk in der Slowakei soll an den Automobilzulieferer Magna verkauft werden. Ende 2020 will der Konzern noch 18 Werke in Europa betreiben.

Nach eigenen Angaben beschäftigt Ford in Europa bislang 51.000 Mitarbeiter, fast ein Viertel der Stellen fällt also weg. Die Jobs sollen vor allem durch freiwillige Abfindungen, Vorruhestand und Altersteilzeit reduziert werden.
Absatz der Autobauer schwächelt nicht nur bei Ford
Wie viele andere Autobauer auch hat Ford derzeit mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen. Bereits im Januar hatte das Unternehmen im Rahmen eines Sparprogramms einen weitreichenden Stellenabbau und Fabrikschließungen in mehreren Ländern beschlossen. In Deutschland hatte der Konzern vor einigen Wochen den Abbau von 5000 Jobs angekündigt. Mittlerweile gebe es für etwa 60 Prozent dieser Stellen eine Einigung mit den Beschäftigten, bestätigte ein Ford-Sprecher einen Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers“ (Mittwoch).

Bei der Stammbelegschaft von aktuell rund 24.000 Mitarbeitern in Köln, Saarlouis und Aachen setzt das Unternehmen auf ebenfalls auf Abfindungen und Altersteilzeit. Viele der Mitarbeiter, die bis jetzt Aufhebungsverträge unterschrieben hätten, verließen bereits zum Monatsende das Unternehmen, berichtete die Zeitung weiter. Das Abfindungsprogramm bei Ford läuft noch bis zum Jahresende.

Zum Thema: IW-Ökonom erklärt – Stellenabbau droht: „Die goldene Dekade deutscher Autobauer ist vorbei“

Ford will Strategie in Europa ändern
Die Trennung von Mitarbeitern und die Schließung von Werken seien „die härtesten Entscheidungen“, sagte Ford-Europachef Stuart Rowley und betonte zugleich gute Gespräche mit der Arbeitnehmerseite, um die Folgen der Jobkürzungen für die Betroffenen zu mildern. Man konzentriere sich „auf den Aufbau einer langfristigen nachhaltigen Zukunft für unser Geschäft in Europa“. Ford werde seine Kunden zielgerichteter bedienen und durch eine schlankere Struktur höhere Renditen generieren. Man wolle verstärkt auf „ein Nischenportfolio von legendären Personenkraftwagen“ setzen, zu dem der Mustang, der Explorer und ein neues vollelektrisches Sportnutzfahrzeug gehören würden.

Ford Europa war 2018 tief in der Verlustzone, inzwischen sieht es etwas besser aus – für das Gesamtjahr rechnet das Management mit einer „erheblichen Verbesserung“ des Finanzergebnisses. In Großbritannien wird künftig das für Ford besonders wichtige Nutzfahrzeuggeschäft geführt, Köln wiederum bleibt Zentrum für das europäische Pkw-Geschäft. Das von Ford lange vernachlässigte Thema Elektrofahrzeuge soll künftig wichtiger werden, ein erstes E-Auto soll Ende 2020 als Import aus den USA auf den Markt kommen.

Das sind die speziellen Probleme bei Ford
Aus Sicht von Autoexperten bleibt die Situation für Ford Europa düster. Der Kontinent sei für den US-Autobauer „ein äußerst schwieriges Umfeld“, sagte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. „Die Ford-Europa-Fahrzeuge sind nur begrenzt außerhalb Europa verkaufbar – damit hat Ford Europa ein klassischen Größenproblem.“ Es sei zu klein, um wirklich profitabel zu werden.

Die nun angepeilte Organisationsumstellung ist aus seiner Sicht zwar sinnvoll. Sie sei aber keine gute Nachricht für Köln. Schließlich sei bei Ford traditionell der Verkauf von leichten Nutzfahrzeugen einträglich – auch durch die Kooperation mit VW werde dieser Bereich an Stärke gewinnen, sagte der Professor.

Geht Ford gänzlich aus Europa raus?
Hierbei spiele Köln aber keine wesentliche Rolle, stattdessen sei die Domstadt nur als Standort für das schwache Pkw-Geschäft vorgesehen. Er hält es für vorstellbar, dass der US-Autobauer sich komplett von seinem europäischen Pkw-Geschäft trennen und dieses verkaufen will.

Der laufende Jobabbau dürfte für Ford nicht der letzte sein. Unlängst hatte der Ford-Deutschlandchef Gunnar Herrmann gesagt, das derzeitige Programm sei nur „die erste Ebene, um eine Minimum-Profitabilität sicherzustellen und schwarze Zahlen zu schreiben – und über die Jahre wird es sicherlich zu weiteren Veränderungen kommen“. Er begründete dies mit dem Wandel der Branche weg vom Verbrennungsmotor hin zu alternativen Antrieben wie Elektro – perspektivisch werden weniger reine Diesel und Benziner verkauft.

Auch andere Autobauer mit Problemen
Ford ist nicht der einzige Hersteller, der mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Opel will sich über Altersteilzeit und Freiwilligenprogramme von bis zu 600 weiteren Mitarbeitern an seinem Stammsitz Rüsselsheim trennen. Die Zukunft des zuletzt schwach ausgelasteten Werkes soll zudem damit gesichert werden, dass der Astra künftig wieder in Hessen produziert wird. Seit der Übernahme durch PSA im August 2017 haben mehr als 5000 Mitarbeiter in zwei Wellen Verträge zu Abfindungen, Vorruhestand oder Altersteilzeit unterschrieben. Sie kamen zu großen Teilen aus dem Rüsselsheimer Entwicklungszentrum. Ende vergangenen Jahres arbeiteten noch gut 16.500 Menschen an den deutschen Opel-Standorten, zu denen auch Eisenach und Kaiserslautern gehören.

Auch Audi steckt in Schwierigkeiten. Laut eines Medienberichts hat der Konzernvorstand die Mitarbeiter bei einer Betriebsversammlung auf einen scharfen Sparkurs eingeschworen. Danach könnten bis zum Jahr 2025 rund 10.000 Arbeitsplätze von den derzeit rund 60.000 Stellen an den Standorten Ingolstadt und Neckarsulm wegfallen. Bei BMW wiederum wurde laut eines Berichts des „Handelsblatts“ ein Einstellungsstopp verhängt, was der Konzern jedoch dementierte.

„Marsch durch die Wüste“
Die Probleme der Hersteller könnten noch wachsen. Laut einer Studie von AlixPartners stehen den Autobauern schwierige Jahre bevor: Sie müssen zum einem Milliarden in neue Technologien wie E-Antrieb und Autonomes Fahren investieren. Auf der anderen Seite werden die Verkäufe weltweit zurückgehen beziehungsweise stagnieren und erst 2022 wieder deutlich anziehen. Die Konzerne müssen also hohe zusätzliche Ausgaben mit sinkenden Einnahmen stemmen. „Das gleicht dann einem Marsch durch die Wüste,“ so Elmar Kades, Global Co-Lead Automotive und Managing Director bei AlixPartners. „Das alles bringt absehbar viele Marktteilnehmer an die Grenze der finanziellen Belastbarkeit. Ohne Kostensenkungsprogramme und Restrukturierungen wird der Turnaround in den wenigsten Fällen funktionieren“, fügte sein Kollege Jens Haas, Co-Autor der Studie, hinzu.
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