BMW kürt neuen Chef

„Keine Nachfrage“: Steigt BMW aus dem Elektroauto aus?
BMW gibt heute bekannt, wer Nachfolger des scheidenden Firmen-CEO Harald Krüger wird. Einer der Favoriten, Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich, gilt als großer Elektro-Skeptiker – und ist nach Informationen der „Auto Motor & Sport“ nicht allein. Eine Analyse.

„Nach dem i-Fehlstart haben führende BMW-Vertreter derzeit wenig Lust auf Autos mit batterieelektrischen Antrieben“, schreibt die Autozeitschrift. „Es gibt keine Nachfrage von Kunden nach Elektroautos, nur die Regulierungsbehörden fragen danach“, zitiert die „Auto Motor & Sport“ Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich, der als einer der möglichen Nachfolge-Kandidaten für den Posten des Firmen-CEO gehandelt wird. Noch-Chef Harald Krüger hatte vor kurzem angekündigt, sein Amt abzugeben
Elektro-Kooperation bei BMW
Nach Einschätzung der Zeitschrift würde Fröhlichs Ernennung wohl die Elektromobilität nicht in den Mittelpunkt rücken, der ihr eigentlich zustehen müsste. Trotz einer Hintertür: „Die Bayern sind in der Lage, flexibel auf eine verstärkte Nachfrage zu reagieren.“ Offenbar setzen die Münchner dabei aber künftig auf Kooperationen und nicht nur auf selbst entwickeltes Knowhow. „Neben Erfahrungen aus solitären i-Projekten und flexiblen Architekturen nutzt BMW Partnerschaften mit Jaguar Land Rover (Elektroautos), Toyota (Brennstoffzelle) und Daimler (Assistenzsysteme)“, so die „Auto Motor & Sport“.
Gemeinsame Entwicklung mit Jaguar – aber schafft BMW einen „elektrischen “ Markenkern?
Jaguar hatte zuletzt das sportliche SUV i-Pace entwickelt. Bezeichnenderweise kam der Chefentwickler des Wagens einst von BMW zu Jaguar. Nun klopften die Briten in München an. Für einen eher kleinen Hersteller wie BMW sind Kooperationen durchaus sinnvoll; es bleibt aber die Frage, ob BMW in einer gemeinsamen Entwicklung mit Jaguar den E-Antrieb als Markenkern beleben kann, so wie es der Hersteller jahrelang mit seinen Sechszylinder-Motoren tat.
BMW-Rückstand auf Tesla bereits zu groß
BMW würde nicht nur sein ambitioniertes i-Projekt letztlich begraben, sondern auch ein erhebliches Risiko eingehen, wenn das Unternehmen seinen Fokus auf die Emobilität verliert. Zwar ist der Rückstand auf Marktführer Tesla in Sachen Antriebs- und Akkutechnik bereits so groß, dass die Amerikaner auf diesen Feldern mittlerweile nicht mehr einzuholen sind. Auch gilt die Strategie, die etwa Volkswagen fährt – der Komplettausstieg aus dem Verbrennungsmotor – als riskant, da viele Weltmärkte noch Jahrzehnte nicht oder nur teilweise ihre Flotten elektrifizieren können.
Doch nach einhelliger Ansicht der meisten Automarkt-Experten ist der Trend zum Elektroauto, sowohl batterieelektrisch als auch in Form elektrischer Brennstoffzellen- und Wasserstoffautos, auf den zentralen und größten Märkten (USA, China, Japan, Europa) nicht mehr umkehrbar. Und zwar durch technische Fortschritte sowie durch politische Regulierung in Form immer schärferer Grenzwerte sowohl für Schadstoffe als auch für CO2.
Plug-In-Hybride als Notnagel?
Genau diese Grenzwerte allerdings hofft BMW durch seine wachsende Palette von Plug-In-Hybriden (PHEV) schaffen zu können. Der jüngst vorgestellte Hybrid 3er 330e soll mit einer Kombination aus Elektro- und Benzinmotor 50 bis 60 Kilometer elektrisch fahren können und durch den Benzintank gleichzeitig langstreckentauglich sein. Der Wagen könnte also durch künftige Verbotszonen für Benzin- und Dieselfahrzeuge, die in mehreren europäischen Städten geplant sind, mit intelligenter, navigationsbasierter Steuerung immer elektrisch fahren. Als Durchschnittsverbrauch nach dem neuen WLTP-Messverfahren soll ein Verbrauch unterhalb von zwei Litern auf 100 Kilometer machbar sein
BMW geht großes Risiko ein
In der Realität hängt das bei PHEVs allerdings sehr stark von den Nutzungsbedingungen und dem Fahrprofil ab – mit dem Risiko, dass sich sowohl die Verbrauchsreduzierung und die CO2-Reduzierung als auch die Verringerung von Schadstoffen in der Realität gar nicht wie erhofft erzielen lassen. Auf PHEV anstelle von echten Elektroautos zu setzen, bleibt damit riskant, da sich analog zum Dieselskandal politische Lobbyverbände wie die „Deutsche Umwelthilfe“ künftig auf Hybridfahrzeuge einschießen werden, um die Autoindustrie anzugreifen und Verbote für den Individualverkehr zu erzwingen.
Zudem würde BMW ohne einen echten Push bei eigenen Stromern mit echter Marken-DNA wohl komplette Käuferschichten verlieren, was in den USA bereits geschehen ist: Das Tesla Model 3 ist dort nicht nur das meistverkaufte Elektroauto, sondern hat streckenweise im Mittelklasse-Premiumsegment auch schon die konventionell angetriebenen Konkurrenten BMW 3er, Audi A4 oder Mercedes C-Klasse überrundet.

Den Münchnern fehlen ein i4 und ein E-SUV
Dem Tesla Model 3 hat BMW nichts entgegenzusetzen: Der i4, eine Art elektrischer Gran Turismo, kommt erst 2021. Und beim Mini-SUV X2 scheute BMW die Elektro-Option, obwohl Hyundai mit dem Kona bewiesen hat, dass man auf ein und derselben Plattform alle Antriebsvarianten – Benzin, Diesel und elektro – überzeugend darstellen kann.

Denkbar wäre auch, dass im BMW-Konzern künftig Mini eine viel stärkere Stromer-Rolle übernimmt. Der Elektro-Mini auf Basis des aktuellen Benzin-Modells wird in China gebaut und soll 2020 auch nach Deutschland exportiert werden. Zudem planen die Briten laut Medienberichten einen „Mini-Mini“ mit Elektromotor. Als Basis dafür könnte die Studie „Rocketman“ dienen, die vor einigen Jahren gezeigt wurde.
https://www.focus.de/auto/elektroauto/bmw-kuert-neuen-chef-keine-nachfrage-steigt-bmw-aus-dem-elektroauto-aus_id_10936777.html?fbc=fb-shares&fbclid=IwAR3Gb2yMsGfoMBI5abRdgmaopSauG-S5EKxPjpoTURf5Nex5VWXdjtzdJ04