Rätsel um Massen-Vogelsterben an der Nordsee

20.000 tote Trottellummen
10. Februar 2019 | Natur | Umwelt | connectiv.events
In der Nordsee im Gebiet der Niederlande ereignete sich am letzten Mittwoch ein unterklärlicher Massentod von etwa 20.000 Trottellummen, die zu den Alkvögeln gehören. Nach Auskunft der Behörden wurden insgesamt etwa 20.000 tote Trottellummen an den Stränden angeschwemmt. Überall entlang der Nordseestrände, von den nördlichen Watteninseln bis zu Zeelands Stränden im Südwesten, fand man ganze Gruppen der verendeten Tiere. Alle Vögel waren in einem sehr heruntergekommenen Zustand und zeigten Anzeichen totaler Entkräftung. Es gibt auch überlebende Tiere, die zu den Vogelschutzstationen und zu Tierärzten gebracht wurden. Auch sie sind vollkommen erschöpft und abgemagert.
Auch an der deutschen Nordseeküste, an den Stränden von Borkum, sind seit Freitag viele tote Tiere angeschwemmt worden, gab das niedersächsische Umweltministerium bekannt. Greenpeace meldet, dass auf der Insel Borkum innerhalb eines Monates so viele Kadaver von Trottellummen innerhalb eines Monats gefunden worden sind, wie sonst in einem ganzen Jahr.
Winterstürme können die Vögel am Jagen und Fressen gehindert haben
Der Meeresbiologe Mardik Leopold von der Universität Wageningen zeigt sich ernsthaft besorgt: Die Lage sei regelrecht „alarmierend“. Die Gründe für das Massensterben seien unklar. Möglicherweise führte das stürmische Winterwetter und hohe Wellen dazu, dass die Tiere keine Kraft hatten, Heringe oder Sprotten zu jagen und zu fressen.
Eine Havarie mit Gefahrgut als Ursache denkbar?
Es könnte auch sein, vermuten niederländische Medien, dass es einen Zusammenhang mit der Havarie des Megafrachters „MSC Zoe“ gibt, die Anfang Januar in der Nordsee geschah. Dabei waren während eines Sturms im Seegebiet vor der deutsch-niederländischen Grenze zahlreiche Container über Bord gegangen, darunter zwei mit Gefahrgut.

Autopsie ergab keine Funde von Plastikteilen in den Vogelmägen
Die Schweizer Reederei MSC sprach am Mittwoch nach niederländischen Angaben von mindestens 341 Containern. Vorher war von rund 270 Containern die Rede gewesen. Dadurch gelangten Schuhe, Autoteile, Plastikspielzeug und Kunststoffe ins Meer. Im Gegensatz zu den toten Alken in Niedersachsen wiesen die ersten in den Niederlanden untersuchten Trottellummen schwere Magen- und Darmschäden auf.
Veterinäre nahmen Autopsien an den toten Vögeln vor, um zu prüfen, ob die Tiere an gefressenen Plastikgegenständen gestorben sein können. Doch die Untersuchungen ergaben, dass sich in den Mägen der Vögel keine Plastikteile befanden. Kommende Woche wollen die Wissenschaftler an den toten Vögeln Autopsien im großen Maßstab vornehmen, um mögliche andere Ursachen zu ermitteln. Endgültige Ergebnisse zum Tode der Vögel soll es im März geben.
Der Biologe Gregor Scheiffarth von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven möchte keine voreiligen Schlüsse ziehen. „Wir können im Moment nur spekulieren“, sagte er am Freitag im NDR 1 Niedersachsen.
Ist der Bestand gefährdet?
Das Umweltministerium in Hannover bezeichnet zwar die Situation an den niedersächsischen Stränden als durchaus auffällig, aber noch nicht dramatisch. Wie viele Vögel wirklich gefunden wurden, sei nicht klar – es seien aber im Nachhinein nicht so alarmierend, wie ursprünglich angenommen. Es seien wahrscheinlich doch deutlich weniger als die berechneten 20.000 toten Vögel in den Niederlanden. Das Ministerium kündigte an, dass am Wochenende Mitarbeiter des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft die Strände auf Borkum nach toten Vögeln absuchen werden.
Trottellummen sind Seevögel. Sie verbringen den Großteil ihres Lebens über dem offenen Meer. Nur zum Brüten oder, um vorab Besitzansprüche an Nestern für die nächste Brutsaison zu demonstrieren, gehen sie an Land. In Deutschland gibt es die einzige Brutkolonie in Mitteleuropa. Auf dem Lummenfelsen auf Helgoland brüten im Frühjahr ungefähr 2500 Trottellummenpaare.
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https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Tote-Trottellummen-auch-auf-Borkum-angetrieben,trottellummen110.html
https://connectiv.events/raetsel-um-massen-vogelsterben-an-der-nordsee-20-000-tote-trottellummen/?fbclid=IwAR24S9eAdISj2gxgFZ84rvgkT7uIhj9lmvhc5cHeL5RZE7CjGpeXi6utJdo